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Skandal um Stammstrecke in München

Bilder von Monis_Blick

Bilderstrecke von 2019 kurz vor der Schließung

Am 6. Mai 2019 wurde der Durchgang durch die Schalterhalle gesperrt und sollte eigentlich 2029 wieder eröffnen.

Wie oft bin ich gefühlt durch die Schalthalle des Münchner Hauptbahnhofs gelaufen? Wie oft habe ich mich geärgert über die langen Schlangen vor den Schaltern. Ich komme noch aus der Generation, bevor Smartphones und Apps gab, um sich bequem Tickets aufs Handy zu laden. Die Halle, die einst für den Fahrkartenverkauf und andere Services genutzt wurde. Eigentlich kein schöner Ort. Aber als beschlossen wurde, dass sie zumacht, kam doch etwas Nostalgie auf. Doch jetzt ist nicht nur leer und verlassen. Es gibt sie gar nicht mehr. Die Schließung der Schalthalle ist Teil eines größeren Bauprojekts, das die Verkehrsinfrastruktur in München verbessern soll. Das Projekt ist die zweite Stammstrecke und sie wird den S-Bahn-Verkehr in München entlasten. Doch bevor es wieder modern und soweit ist, musste die Schalterhalle Platz für die Bauarbeiten schaffen. Die Verkaufsschalter wurden bereits früher geschlossen und es gab Einschränkungen und vorübergehende Schließungen zur Vorbereitung, der ersten Bauphase. Wie geht es nun weiter – für den Münchner Hauptbahnhof und seine Reisenden?

Stammstrecke in München verzögert sich wahrscheinlich um viele Jahre.

Das Projekt der zweiten Stammstrecke in München ist ein langfristiges und umfangreiches Vorhaben. Und das ist oft, bei langfristigen Projekten. Es verzögert sich. Natürlich ist uns bewusst, dass bei derartigen großen Projekten Verzögerungen und Kostensteigerungen nicht ungewöhnlich sind. Momentan sprechen wir von einer Verzögerung um mehr als sechs Jahre für die zweite Stammtstrecke und auch die Eröffnung des Bahnhofs verzögert sich um viele Jahre. Die Kostensteigerung soll sich auf mindestens 5,2 Milliarden Euro erhöhen. Allerdings gibt es bisher keine abgestimmte Datengrundlage zwischen der Bahn, dem Bund und dem Freistaat. Möglicherweise ändern sich die Kosten und der Zeitplan des Projekts noch … und das wirft Fragen auf.

Die Bayerische Staatskanzlei steht unter Druck

Die Bayerische Staatskanzlei steht unter Druck, da ihre Kommunikation bezüglich der Kostensteigerungen und Verzögerungen beim Bau des zweiten Münchner S-Bahn-Tunnels kritisiert wird. Der Grund dafür ist ein Leak in der Staatskanzlei, das ein Memo vom 23. Dezember 2020, hervorbringt, das den „aktuellen Stand“ des zweiten Stammstreckenprojekts behandelt. Ein Mitarbeiter schrieb in dem Memo, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und zuvor von der „Süddeutschen Zeitung“ berichtet wurde, dass die „derzeitige politische Linie“ der Staatskanzlei eine „verzögernde Behandlung („Dilatorisch“ )“ des Projekts bis nach der Bundestagswahl vorsieht. „Dilatorisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang „verzögernd“.

Dieses Memo gibt der Opposition neuen Stoff für ihre Vorwürfe, dass die Staatskanzlei von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) das Thema Stammstrecke bewusst aus dem Bundestagswahlkampf herausgehalten hat, auch um Söders mögliche Kanzlerambitionen nicht zu gefährden. Tatsächlich schrieb der Mitarbeiter in dem Memo auch, dass die Probleme mit der zweiten Stammstrecke „im Wahlkampf kein gewinnbringendes Thema“ seien. Wir dürfen gespannt sein, wie es weiter geht.

Aber wann wird der neue Bahnhof eröffnet – gibt es Hoffnung?

Laut einiger Medien können wir frühestens 2031 statt 2028 wieder durch die „neue Schalterhalle“ laufen. Drei weitere Jahre, wo wir Münchner und Pendler mit erheblichen Hindernissen leben müssen. Die tatsächliche Fertigstellung könnte sich noch weiter verzögern, da die Zweite Stammstrecke des Münchner S-Bahn-Netzes ebenfalls von Zeitverzögerungen betroffen ist. Laut dem Bayerischen Verkehrsministerium wird die Fertigstellung der Stammstrecke nun erst im Jahr 2037 anstatt wie geplant im Jahr 2028 erfolgen.

Wir sind gespannt, wann wir wieder durch die neue Schalterhalle laufen und uns an die „guten alten Zeiten“ erinnern dürfen.

Fotografiert von Monis-Blick für stadtbook.de.